Archiv der Kategorie: Kazaguruma Demo

Kazaguruma-Demo zum 11. Jahrestag von Atomunfall von Fukushima in Berlin

©Christoph Eckelt / Green Planet Energy eG

Auch dieses Jahr haben wir unsere Demo zum Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima in Berlin erfolgreich abhalten können –  mitten im Schatten des Krieges in der Ukraine. Kurz nach dem Beginn der russischen Invasion hat uns die Meldung erreicht, dass Tschernobyl besetzt sei. Und am Tag vor unsere Demo, am 4. März, wurde das größte AKW Europas Saporischschja beschossen und es gab einen Brand. Beinah hätte sich noch eine Atomkatastrophe – und zwar wieder in der Ukraine – ereignet. Putin braucht keine Atomwaffen, um uns zu drohen, es würde ihm reichen, um Europa unbewohnbar zu machen, auf eines von den zahlreichen Atomkraftwerken in der Ukraine angreifen und zerstören zu lassen, oder einfach die Stromversorgung dort kappen zu lassen. Die atomare Gefahr ist im 21. Jahrhundert wieder so akut und konkret geworden, wir sind alle fassungslos.  Wie konnte es so weit kommen?

Yu Kajikawa und Hitoshi Yamauchi von Sayonara Nukes Berlin

Was uns noch fassungsloser macht, ist die Reaktion der Politik, der Wirtschaft und der Bevölkerung in Deutschland darauf, die laut fordert, nachdem kein Gas mehr aus Russland zu erwarten ist, dass die letzten Atommeiler doch länger laufen sollen. Und die Bundesregierung hat sogar verkündet, mit einem gewaltigen Sondervermögen von 100 Milliarden Euro die Bundeswehr auszustatten und künftig mehr als 2% des Bruttoinlandsprodukts der Nato auszugeben. Diese gigantische Summe bräuchte man aber viel dringender für die Beschleunigung der Energiewende, damit Deutschland und die Welt baldmöglichst CO-neutral werden und vor allem unabhängig (nicht nur von Russland). Ursprünglich wollten wir auf der diesjährigen Demo vor allem die Themen wie die EU-Taxonomie und die geplante Verklappung von radioaktivem Wasser ins Meer hervorheben, aber der Schwerpunkt musste sich der akuten Lage entsprechend verlagern.

Fridays for Future Berlin/ Johanna Buchmann ©T.Kajimura
BUND Jugend Berlin/Jonathan ©T.Kajimura

Wir haben dieses Jahr junge, energische Redner gewinnen können: Eine Aktivistin von Fridays for Future Berlin und ein Aktivist von BUND Jugend Berlin haben beide sehr stark und überzeugend in ihren Reden argumentiert, dass die junge Generation ganz und gar nicht damit einverstanden ist, dass sie die Folgen der Misswirtschaft der bisherigen Umwelt-, Energie- und Sicherheitspolitik mittragen muss, für die sie gar keine Mitsprache gehabt hat.

©Christoph Eckelt/Green Planet Energy

Insgesamt haben sich ca. 150 Menschen am Brandenburger Tor versammelt und sind durch die Stadt gegangen. Es wird weiterhin wichtig bleiben, den Atomausstieg weltweit zu fordern, und zwar sowohl in ziviler als auch in militärischer Hinsicht, und wir werden damit nicht aufhören, bis die letzte Atomanlage geschlossen und die letzte Atomwaffe vernichtet ist.

Hier die Texte der Redner:

Yû Kajikawa (Sayonara Nukes Berlin):Rede_05032022_SNB_YuKajikawa.de

Hitoshi Yamauchi (Sayonara Nukes Berlin):Rede_05032022_SNB_HitoshiYamauchi.de

Maximilian Weiß (Green Planet Energy):Rede_05032022_GreenPlanetEnergy.de

Yujin Jung (Korea Verband):Redebeitrag_05032022_KoreaVerband_de

Johanna Buchmann (Fridays for Future):Rede_05032022_FridaysforFutureBerlin.de

Jonathan Deisler (BUND Jugend Berlin):Rede_05032022_GreenPlanetEnergy.de

Botschaft von Frau Ruiko Muto zum 11. Jahrestag von Fukushima. 
Message from Ruiko Muto on the 11th anniversary of Fukushima Nuclear Accident.
日本語:https://yosomono-net.jimdofree.com/
English:https://yosomono-net.jimdofree.com/english/
Français:https://yosomono-net.jimdofree.com/french/
Deutsch:https://yosomono-net.jimdofree.com/german/
Español:https://yosomono-net.jimdofree.com/spanish/
Català:https://yosomono-net.jimdofree.com/catalan/
Italiano:https://yosomono-net.jimdofree.com/italian/
Nederlands:https://yosomono-net.jimdofree.com/dutch/

Kazaguruma-Demo zum 11. Jahrestag von FUKUSHIMA -Atomkraft rettet NICHT unser Klima!

Kazaguruma-Demo zum 11. Jahrestag von FUKUSHIMA
-Atomkraft rettet NICHT unser Klima!

 

Sa. 05.03.2022 ab um 12:00 Uhr
Treffpunkt: Brandenburger Tor (Pariser Platz) Berlin

 

Wir sind sehr besorgt. In letzter Zeit wird in nicht wenigen Ländern der EU behauptet, dass Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel dienen könnte, obwohl entschieden wurde, aus Atom und Kohle gewonnene Energie durch erneuerbare Energie zu ersetzen.
In mehr als 10 Staaten der EU haben die Regierungen angekündigt, die Atomenergie ihrer Länder auszubauen. Auch die neue japanische Regierung hat die Absicht bekanntgegeben, die Entwicklung und den Bau von kleinen Atomkraftwerken (SMR) voranzutreiben. Dies können wir nicht hinnehmen.

 

Wir können vor der täglichen Umweltverschmutzung, die der Normalbetrieb der AKW verursacht, nicht die Augen schließen. Dazu kommt das Problem der Beseitigung der Unmengen von Atommüll. Immer noch ist das Problem der Endlagerung von Atommüll nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ungelöst. Wir dürfen nicht die Behauptung akzeptieren, dass die Atomenergie die Umwelt nicht belastet. Wenn ein AKW havariert, entstehen irreparable, unvorstellbar große Schäden an Umwelt, Tieren und Menschen. Haben wir nicht von Tschernobyl und Fukushima gelernt?

 

Im April letzten Jahres, 10 Jahre nach dem Unglück von Fukushima, hat die japanische Regierung den Plan genehmigt, radioaktiv verseuchtes Wasser, das seit der Havarie Fukushima-Daiichi gelagert ist, in den Pazifik abzuleiten. Dieses Wasser, von dem die Betreiberfirma Tepco behauptet, es von allen radioaktiven Elementen gereinigt zu haben, enthält immer noch vor allem Tritium und verseucht die Umwelt. Diese Ableitung findet aber bis jetzt noch nicht statt, wegen des starken Widerstandes der Bevölkerung und der Fischer sowie der internationalen Gemeinschaft.
Gemeinsam fordern wir ein Ende der Atomenergie. Wir wollen eine atomfreie Zukunft aufbauen: Atomkraft rettet NICHT unser Klima.

 

Gemeinsam fordern wir:

• einen weltweiten Ausstieg aus der unverantwortlichen Atomenergie
• sofortige Stilllegung der Atomanlagen in Lingen und Gronau
• keine Einstufung der Atomenergie als nachhaltige Energieerzeugung
• EURATOM-Vertrag kündigen
• Keine Einleitung von radioaktivem Wasser ins Meer!

 

 

Kooperierende Gruppen:
AK Rote Beete (Linke Regionalgruppe)
BUND Jugend Berlin
Coop AntiWar Cafe
Fridays for Future Berlin
IPPNW Germany
Japanese Against Nuclear UK
Korea Verband
Greenpeace Berlin

Flyer:Kazaguruma-Demo-2022-flyer_final

 

 

Zehn Jahre nach Fukushima

Redebeiträge von Yu Kajikawa (Sayonara Nukes Berlin) und von Frau Yôko Tawada, Schriftstellerin, beide im Original:

 

Yu Kajikawa(©Sayonara Nukes Berlin)

Sayonara Nukes Berlin Demo-Rede zum 10. Jahrestag von Fukushima (06.03.2021)

 

Liebe Versammelte, schön, dass wir heute gemeinsam des 10. Jahrestags von Fukushima gedenken, denn wir haben alle die Pflicht, uns daran zu erinnern.

Habt ihr euch schon einmal konkret vorgestellt, wie es wäre, von heute auf morgen das Zuhause, die Arbeit oder die ganze Heimat zu verlieren? Und zwar nicht etwa, weil das Haus, die Stadt oder die Fabrik wegen Erdbeben oder Tsunami zerstört wären, sondern weil unsichtbare, radioaktive Strahlen gekommen und geblieben waren. Auf einmal mussten circa 170.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Keiner wusste, ob und wann sie wieder nach Hause zurückkommen, den gewohnten Tätigkeiten im Alltag nachgehen, den Beruf ausüben oder mit vertrauten Freunden, Kollegen und Nachbarn wieder zusammen sein könnten, und ob sie überhaupt alles, woraus ihr bisheriges Leben bestanden hatte, wieder zusammenfinden könnten. Genau das war nach dem Unfall von Fukushima passiert. Dieser unvorstellbare Alptraum war für so viele Menschen plötzlich Realität.

Nach Tschernobyl mag man gedacht haben: So etwas war nur in der Sowjetunion möglich! Nach Fukushima habt ihr vielleicht gedacht: Zum Glück gibt es bei uns weder Erdbeben dieser Größe noch Tsunamis. Aber diese Zuversicht ist nur ein Wunschdenken, denn wie kann man so sicher sein? Wenn es kein Erdbeben und kein Tsunami gibt, kann es menschliches Versagen sein, veraltete Geräte oder verschlissene Bauteile könnten genauso verheerende Reaktorunfälle verursachen.

Anstatt die betroffenen Menschen zu unterstützen und sie vor weiteren Gefahren durch Strahlen zu schützen, verbreitet die japanische Regierung lieber ein Märchen, das lautet: Die Nuklearkatastrophe sei fast Geschichte. Sie wollen lieber die Angst der Bevölkerung bekämpfen, nicht etwa durch genauere gesundheitliche Untersuchungen oder korrekte Messungen von radioaktiver Kontamination von Böden, Gewässern und Luftraum, sondern durch eine Reihe von Kampagnen mit einer Bezeichnung, die mich im höchsten Maße empört, nämlich „mentale Dekontaminierung“. Sie sind nämlich der Meinung, dass nicht etwa die radioaktiven Strahlen, sondern die Verunsicherungen, Misstrauen und Zweifel der Bevölkerung, die sie zu Recht hat, die Seuche sind, weshalb es gelte, dekontaminiert zu werden. Dafür scheuen sie keine Kosten. Die Bevölkerung finanziert die eigene Gehirnwäsche mit ihren Steuergeldern. Die Behörden erteilen einer einflussreichen Werbeagentur lukrative Aufträge einen nach dem anderen, damit manipulative Werbungen im großen Stil produziert, irreführende Informationsveranstaltungen organisiert und pseudo-wissenschaftliche Schlussfolgerungen verbreitet werden, bei denen es darum geht: alles sei sicher, unbedenklich, kein Grund zur Sorge.

Während die Schäden der Atomkatastrophe auf diese Weise immer unsichtbarer gemacht, die Opfer im Stich gelassen, die für den Strahlenschutz geltenden Regelungen immer weiter gelockert werden und keiner für den Reaktorunfall zur Rechenschaft gezogen wird, wird der Wiederaufbau von Fukushima medienwirksam inszeniert ohne Rücksicht auf Verluste, sie scheuen nicht einmal davor zurück, die Olympischen Spiele Tokio zu diesem Zweck zu missbrauchen.

Egal wie die japanische Regierung und die Internationale Atomenergie Organisation die Auswirkungen und Folgen des Super-GAUs kleinreden, sprechen die Fakten für sich: Von Normalität in der betroffenen Region kann keine Rede sein. Brennelemente, die durch den Druckbehälter hindurchgeschmolzen sich unter den Reaktorruinen 1 bis 3 befinden, – schätzungsweise insgesamt ca. 900 Tonnen -, sind noch immer so hochradioaktiv, dass niemand sich nähern kann und keine präzise Untersuchung möglich ist. Tepco behauptet, 2021 mit dem Herausnehmen der Schmelze anzufangen, aber wie wollen sie das anstellen, ohne genau zu wissen, wo und in welchem Zustand sie sich befindet? Und wohin damit und mit welcher Methode? Das in über 1000 Tanks auf dem AKW-Gelände gelagerte, auch nach der Bearbeitung mit einem Filtersystem noch immer mit Tritium und anderen Radionukliden kontaminierte Wasser ist mittlerweile auf mehr als 1,2 Millionen Tonnen angewachsen. Die japanische Regierung will trotz heftiger Proteste erlauben, es ins Meer abzuleiten.

Es liegt in unserer Hand, uns konkret auszumalen, in was für einer Welt wir leben wollen. Lasst uns gemeinsam dafür einsetzen, den Lebensraum um uns humaner, freundlicher und demokratischer zu machen und die Welt von Gefahren der Atomenergie, von Nuklearwaffen und ihren strahlenden Hinterlassenschaften zu befreien. Und dafür haben wir noch sehr viel zu tun. Lasst uns davon leiten: NIE WIEDER Hiroshima, nie wieder Nagasaki und natürlich NIE WIEDER FUKUSHIMA!!

KazagurumaDemo2021_YuKajikawa_Original_de_pdf

かざぐるまデモ2021_梶川ゆう_和訳_pdf

Yoko Tawada (©Sayonara Nukes Berlin)

Zehn Jahre nach Fukushima. Yoko Tawada

 

Wie lang ist die Halbwertszeit von Cäsium? 30 Jahre? Wie lange braucht Plutonium, um sich zur Hälfte zu reduzieren? 24.000 Jahre? Das Uran braucht sogar 4,5 Milliarden Jahre. Ich kann diese Vorstellung nicht ertragen, schließe die Augen und sage aus Trotz, dass alles sowieso für immer verseucht sei. „Für immer“ heißt „eine Ewigkeit“. Die Vorstellung von Ewigkeit ist erträglicher als eine konkrete hohe Zahl, deshalb flüchte ich in die Ewigkeit, einen Zeitraum, für den niemand mehr verantwortlich ist. Dort muss ich nicht handeln, denn es ist sowieso zu spät. Ich erlaube mir einen Rückzug in die eigenen vier Wände. Ein privat versichertes Leben mit süßlicher Melancholie.

Wie wäre es aber, wenn ich den beängstigenden Zahlen direkt in die Augen sehen würde? Wenn ich die unbequemen Wörter wie Cäsium oder Plutonium in die Dichtung integrieren würde? Paul Celan, der vor ungefähr drei Monaten 100 Jahre alt geworden wäre, hat den Begriffen aus Medizin oder Chemie einen Zutritt in seine Dichtung erlaubt. Es geschah, während er sich mit den Katastrophen der menschlichen Zivilisation auseinandersetzte.

Wie lang ist die Halbwertszeit des Gedächtnisses?

Als der „Kern“ 2011 schmolz, waren wir alle tief erschüttert, bekamen abgründige Angst, es war nicht nur Angst vor Radioaktivität, sondern viel mehr. Was für ein Kern ist damals geschmolzen? Ein Vertrauenskern für die Kontinuität, ohne die man nicht jeden Tag seine Kraft in die Arbeit stecken, menschliche Beziehungen pflegen, oder ein Haus, eine Schule, ein Unternehmen aufbauen kann. Die Atom-Maschinerie kann zu jeder Zeit den Sinn des Lebens zerstören und somit verseucht sie uns stets innerlich – allein durch ihre Existenz.

Wie lang ist die Halbwertszeit meines Gedächtnisses? In einem menschenverlassenen Stadtteil in Fukushima sah ich zwei Jahre nach dem Super-GAU in einem kleinen Büro Zeitungen vom 11.3.2011 hochgestapelt, die nie ausgetragen worden waren. Sollten sie weitere 24.000 Jahre dort liegen, ungelesen und unbeachtet?

Man kann nicht mit Schreckensbildern im Kopf weiterleben. Um sie zu verdrängen, tütet man sie in schwarze Plastikbeutel ein oder schüttet sie heimlich ins Meer. Ist der Ozean eine Riesenwaschmaschine, die so viele tödlich vergiftete Schmutzwäsche reinigen kann? Auf keinen Fall. Das Weltmeer ist vergleichbar mit einem hochsensiblen Nervengeflecht, das sich im Laufe von 46 Milliarden Jahren seine heutige Form gewonnen hat. Das große Wasser quält sich, versucht ständig, das Gleichgewicht immer wieder neu herzustellen, aber die Geschwindigkeit der Vergiftung nimmt drastisch zu.

Keine Substanz verschwindet dadurch, dass wir sie totschweigen. Jede schädliche Botschaft, die einmal nach außen gesendet ist, bleibt in der Welt. Sie nimmt sehr langsam ab und die Geschwindigkeit der Abnahme verlangsamt sich, wie uns die Halbwertszeit zeigt. Wir werden immer wieder erneut von Spätfolgen der vergangenen Katastrophen überrascht sein. Damit haben wir schon genug zu tun. Wozu soll man weiter die Vernichtungsmaschinerie laufen lassen? Sie verspricht mehr Profit, bringt Glanz und Lust zum scheinbaren Wachstum und erzeugt zusätzliche Energie für Trost und Ablenkung, aber dafür verwandelt sie unser Leben in eine sinnlose Wartezeit, in der wir nichts anderes tun können, als den Rest der Halbwertszeit zu zählen. Wir stehen bereits in Schulden. Wir müssen das Vernichtungskraftwerk sofort stoppen.

KazagurumaDemo2021_YokoTawada_Original_de_pdf

かざぐるまデモ2021_多和田葉子演説_和訳_pdf


Pressebericht
Zehn Jahre nach Reaktorunglück in Fukushima Atomkraftgegner demonstrieren vor dem Brandenburger Tor: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/03/atomkraftgegner-demonstration-berlin-10-jahre-fukushima.html
Atomkraftgegner demonstrieren zehn Jahre nach Fukushima:
Protest am Brandenburger Tor: Erinnerung an Fukushima:

Fukushima: „Von Normalität kann keine Rede sein“ https://www.dgs.de/news/en-detail/120321-fukushima-von-normalitaet-kann-keine-rede-sein/

ドイツで原発廃止訴えるデモ福島第一原発事故から10年を前にベルリンかざぐるまデモ | NHKニュース https://www3.nhk.or.jp/…/20210307/k10012901971000.html
ドイツ ベルリン で日本人ら反原発デモ 作家の多和田葉子さん「即時停止を」(共同通信)
#Yahooニュース
ベルリンで反原発デモ ノーベル賞候補作家・多和田葉子 さんが訴えたことは?:東京新聞 TOKYO Web https://www.tokyo-np.co.jp/article/90111
福島原発事故 からまもなく10年 ドイツ ベルリンで脱原発デモ|TBS NEWS https://news.tbs.co.jp/newseye/tbs_newseye4215899.html
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Video Archiv

10 Jahre nach Fukushima ‐ Atomkraft ist kein Klimaretter!

Kazaguruma-Demonstration zum 
10. Jahrestag von FUKUSHIMA

   Sa. 06.03.2021 ab 12:00 Uhr
   Treffpunkt: Brandenburger Tor (Pariser Platz) Berlin

10 Jahre und noch immer keine Normalität/Nein zur Atomenergie!

Am 11. März 2021 jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum 10. Mal. Obwohl die japanische Regierung und die Internationale Atomenergie-Organisation die Auswirkungen und Folgen des Super-GAUs kleinreden, sprechen die Fakten für sich: Von Normalität in der betroffenen Region kann keine Rede sein. Noch immer können viele Menschen nicht in ihre Heimat zurück. Die havarierten Reaktoren geben nach wie vor radioaktive Materialien in die Umwelt ab. Wegen Platzmangel für die Lagerung will die japanische Regierung das verseuchte Wasser sogar ins Meer ableiten.

Eine Entwarnung ist nicht angebracht, im Gegenteil: Die Risiken sind nach wie vor groß. Dennoch will die Atomlobby das gefährliche und schmutzige Geschäft mit Atomkraftwerken weltweit ankurbeln und behauptet, ohne Atomenergie erreiche man die Klimaneutralität nicht. Viele Staaten setzen noch immer auf Atomkraft, immer mehr Länder kündigen den Neubau von Atomanlagen oder die Laufzeitverlängerung für die bestehenden Altreaktoren an.

Wir müssen uns entschieden diesem Wahnsinn entgegenstellen und deutlich machen, dass die Atomkraft keine Option gegen den Klimawandel, sondern eine akute Gefahr für uns und für die Umwelt ist. Zehn Jahre nach Fukushima wollen wir stattdessen für eine konsequente Energiewende eintreten, die Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien produziert und weltweit zu einer atom- und fossilfreien Wirtschaftsweise führt. Es darf kein Atommüll mehr produziert werden!

Atomkraft rettet nicht das Klima!

NICHT klimaneutral: Atomkraft verursacht in der gesamten „nuklearen Kette“ – vom Uranabbau über die nukleare Energiegewinnung bis zur Wiederaufarbeitung und (End)-Lagerung von atomaren Brennstoffen – reichlich viele Treibhausgas-Emissionen.

Zu schmutzig: Die Atomindustrie hinterlässt radioaktive Abfälle für die Ewigkeit, die eine massive Bedrohung für Menschen und Umwelt darstellen.

Zu gefährlich: Mit der Atomenergie werden das Risiko eines Super-GAUs wie in Fukushima und die dauerhaften Folgen für Mensch und Umwelt in Kauf genommen. Atomtechnologie dient außerdem der Entwicklung neuer Atomwaffen.

Zu teuer: Atomkraft ist die teuerste Art Strom zu erzeugen, die ohne staatliche Subventionen und Fördermittel nicht finanzierbar wäre.

Deshalb fordern wir mehr denn je:

• Sofortige Stilllegung aller AKW und Atomfabriken weltweit, kein Uranabbau und keine Urananreicherung. In Deutschland sollen auch die Atomfabriken Gronau und Lingen mit dem Atomausstieg den Betrieb einstellen!

• Auflösung von EURATOM und aller anderen die Atomtechnik fördernden Organisationen.

• Umlenkung aller der Atomtechnik gewidmeten Fördermittel und Subventionen zugunsten erneuerbarer Energien und einer zivilgesellschaftlich kontrollierten Forschung zum Umgang mit dem Atommüll!

• Deutschland und Japan sollen endlich dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten!

Redner:

1) Yu Kajikawa(Sayonara Nukes Berlin)
2) Michael Müller (NaturFreunde)
3) Alex Rosen (IPPNW)

4) Yoko Tawada/多和田葉子 (Schriftstellerin)
5) AntiAtom Plenum
6) Uwe Hiksche (NaturFreunde)

Performance:Michiyasu Furutani (Buto-Tänzer)
Website:
http://kazagurumademo.de

Veranstalter:
Anti Atom Berlin
NaturFreunde Berlin
Greenpeace Energy      
Sayonara Nukes Berlin

Kooperierende Gruppen:
AK Rote Beete
Anti-Atom-Plenum Berlin
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
BürgerBegehren Klimaschutz
BürgerInitiative Lüchow-Dannenberg
Coop AntiWar Cafe
Die Linke Landesverband Berlin
Friedensglockengesellschaft Berlin e.V.
IPPNW Germany
Japanese Against Nuclear
Kuhle Wampe
Robin Wood Berlin

NEWS: Kazaguruma DEMO zum 8.Jahrestag von Fukushima

Kazaguruma Demo zum Fukushima Jahrestag am 09.03.2019
Fukushima mahnt: Atomausstieg weltweit!

Sa. 09.03.2019 ab 12:00 Uhr
Brandenburger Tor, Pariser Platz, 10117 Berlin

Nach einem starken Erdbeben und einem dadurch ausgelösten Tsunami am 11. März 2011 folgte eine der schwersten Katastrophenserien in einem Atomkraftwerk weltweit.
Die Atomkatastrophe von Fukushima zeigte überdeutlich, dass auch hochindustrialisierte Staaten einen sicheren Betrieb von Atomkraftwerken nicht beherrschen können. Solange Atomkraftwerke auf der Welt betrieben werden, kann sich eine solche Atomkatastrophe jederzeit wiederholen.

Weltweit waren 2018 noch 446 Atomreaktoren betriebsfähig. Jeder Reaktor produziert 20 bis 30 Tonnen hochradioaktiven Atommüll pro Jahr. Nirgendwo gibt es ein betriebsbereites Atommülllager für diesen hochgefährlichen Atommüll.

Auch in Deutschland wurde kein konsequenter Atomausstieg beschlossen. Noch immer sind 7 Atomkraftwerke in Betrieb. Seit Monaten fordern einflussreiche Wirtschaftslobbys eine Verlängerung der Laufzeiten für einzelne Atomkraftwerke. Gleichzeitig sind die drei Forschungsreaktoren und die Atomfabriken Gronau und Lingen vom sogenannten Atomausstieg ausgenommen.

Bis 2022 werden sich allein in Deutschland 15.000 Tonnen hochradioaktiven Mülls angehäuft haben. Seit etwa 8.000 Generationen gibt es Menschen auf der Erde; weniger als drei Generationen haben die gewaltige Menge Atommüll geschaffen, die nun von 33.000 nachfolgenden Generationen von der Biosphäre fern gehalten werden muss.

Die Atomlobby missbraucht die Sorge um den Klimawandel um die unverantwortliche Atomtechnologie als „Klimarettung“ darzustellen. Doch vom Uranabbau bis zur Erzeugung von Atomenergie für Strom und Waffen bis zur „Lagerung“ des Mülls werden riesige Mengen CO2 erzeugt. Deshalb gilt: Nur der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien und konsequente Energieeinsparung können den Klimawandel mildern.

Die Atomtechnik droht unsere Erde auf verschiedene Weise unbewohnbar zu machen: Durch Atomwaffen und andere radiologische Waffen, durch radioaktive Emissionen der Atomanlagen im „Normalbetrieb“, durch Super-GAUs wie in Tschernobyl und Fukushima, die immer wieder vorkommen werden, und durch die Gefahren des Atommülls für die Biosphäre.

Wir fordern deshalb:
• Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit.
• Auflösung von EURATOM und aller anderen die Atomtechnik fördernden Organisationen.
• Umlenkung aller der Atomtechnik gewidmeten Fördermittel und Subventionen zugunsten erneuerbarer Energien und einer zivilgesellschaftlich kontrollierten Forschung zum Umgang mit dem Atommüll.
• Weltweites Verbot aller Atomwaffen. Deutschland und Japan müssen dem „Vertrag über das Verbot von Kernwaffen“ der UNO beitreten.

Website:
http://kazagurumademo.de

Facebook Eventsite:
https://www.facebook.com/events/2327156154275022/

Veranstalter:
Sayonara Nukes Berlin sayonara-nukes-berlin.org
Anti Atom Berlin www.antiatomberlin.de
NaturFreunde Berlin www.naturfreunde-berlin.de
Greenpeace Energy www.greenpeace-energy.de

Kooperierende Gruppen:
BUND
IPPNW
Rote Beete
ICAN
Coop AntiWar Cafe
Kuhle Wampe
BürgerInitiative Lüchow-Dannenberg
Friedensglockengesellschaft Berlin e.V.
Ausländer mit uns
Die Linke Landesverband Berlin

Botschaft für den 7. Jahrestag von Fukushima (2018) von Frau Ruiko Muto, Sprecherin der Klägergruppe gegen TEPCO und Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fukushima

Ruiko Muto                 Sprecherin der Klägergruppe gegen TEPCO/Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fukushima

An alle auf der Welt, deren Gedanken bei Fukushima sind Sieben Jahre nach dem Atomunfall von Fukushima. Wieder nähert sich ein Jahrestag. Zunächst möchte ich mich bei all denen bedanken, die seit jenem Katastrophentag 2011 Fukushima begleitet und uns unterstützt haben.

Zur Zeit werden wir in Fukushima von Wörtern wie „Heimkehr“, „Wiederaufbau“ oder „Gesundheitsförderung“ umschwirrt. Im Hinblick auf die Olympiade 2020 wird ein gigantisches Wiederaufbaubudget aufgelegt. Vor allem entlang der Pazifikküste, die ja durch das Erdbeben besonders verheert war, werden unter dem Leitbild „Innovation Coast“ Anlagen zur Entwicklung von Reaktorrückbau- und Robotertechnik, riesige Windkraftwerke, Mega-Solaranlagen und Biomasse-kraftwerke auf Holzschnitzelbasis errichtet. Sogar in Futaba-machi, das am stärksten radioaktiv belastet ist, weil dort das Kraftwerk Fukushima Dai-ichi liegt, sind ein Archivgebäude und eine Gewerbehalle in Planung. Das Archiv, so heißt es, soll die Wahrheit über die Schäden durch die Reaktorunfälle bewahren und vermitteln, und zum Reiseziel für Klassenfahrten der Oberstufe und für Studienreisen werden. Bis zum Beginn der Olympiade will die Präfektur Fukushima sämtliche Evakuierten in ihre Heimatorte zurückgebracht und die Bahnstrecke entlang der Küste wieder vollständig für den Verkehr geöffnet haben.

Gerade deshalb kommt es zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Die gegenwärtig verfolgte Rückkehrpolitik bedeutet keinesfalls, dass man eingeladen ist, an dekontaminierte, wieder in den ursprünglichen Zustand versetzte, sichere Orte zurückzukehren. Vielmehr wird man gezwungen, in Gegenden mit einer Jahresdosis von bis zu 20 MilliSievert zu leben, und so das Zwanzigfache der vor dem Unfall zulässigen Jahresdosis einfach hinzunehmen. An Erholung oder andere Strahlenschutzmaßnahmen nach der Rückkehr ist nicht gedacht, vielmehr werden nach Aufhebung der Evakuierungsanordnungen Entschädigungszahlungen für seelische Schäden oder die Wohnungsbeihilfe am Evakuierungsort einfach eingestellt, auch wenn man nicht zurückkehrt. So geraten manche mit einem Schlag in Not und Bedrängnis und kehren zurück, obwohl sie das nicht wollen, andere werden obdachlos oder nehmen sich sogar das Leben. Es gibt auch Familien, die auf Räumung ihrer Evakuierungswohnung verklagt wurden. In einer Untersuchung des UN-Menschen-rechtsrates haben 4 Mitgliedsländer die japanische Regierung offiziell ermahnt, die Menschenrechts-situation der durch den Atomunfall Geschädigten zu verbessern.

Auf dem Gelände von Fukushima Dai-ichi gibt es weiterhin gravierende Probleme. Tritiumbelastetes Wasser lagert in über 800 Tausendtonnentanks. Der Vorsitzende der japanischen Atomaufsicht Fuketa und sein Vorgänger Tanaka touren durch die betroffenen Gemeinden und erklären: „Die Einleitung ins Meer ist die einzige Lösung“. Als Vierjährige habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Meer gesehen, das Meer vor Iwaki-shi in der Präfektur Fukushima. Noch heute habe ich den schönen Anblick vor Augen. Die Fischgründe dort galten als die drittgrößten der Welt, voll der verschie-densten Meereslebewesen. Ist das Meer nicht das, was die ganze Welt verbindet? Durch den Atomunfall sind schon viele radioaktive Partikel ins Meer gelangt, da darf man doch nicht auch noch willkürlich die Meere der Welt weiter verschmutzen. Man darf doch nicht zulassen, dass eine Institution, die eigentlich kontrollieren soll, sich für unkontrollierte Einleitung ins Meer einsetzt. Die Fischer von Fukushima wollen die Einleitung um jeden Preis verhindern. Ich bitte Sie, erheben Sie überall auf der Welt Ihre Stimme zur Unterstützung der Fischer!

Die Schilddrüsenreihenuntersuchungen im Rahmen der Gesundheitsstudie der Präfektur Fukushima haben inzwischen 193 Kinder und Jugendliche mit Schilddrüsenkrebs oder –krebsverdacht ermittelt. Unverändert erklärt der Lenkungsausschuss der Gesundheitsstudie, ein Zusammenhang der Erkrankungen mit dem AKW-Unfall sei schwer vorstellbar. Abgesehen von dieser Zahl sind im letzten Jahr Fälle von Schilddrüsenkrebs bekannt geworden, die von der Gesundheitsstudie nicht erfasst wurden. Manche Teilnehmer an der Schilddrüsenreihenuntersuchung erhielten nämlich die  Empfehlung „Verlauf beobachten“, und wenn bei ihnen vor der nächsten Reihenuntersuchung ein Schilddrüsenkrebs festgestellt wurde, wurde dieser nicht in die Zahlen der Reihenuntersuchung aufgenommen. Sowohl aus dem Steuerungsausschuss wie aus der Bevölkerung wurde Kritik laut: Man müsse doch feststellen, um wieviel Fälle es sich dabei handelte. Schließlich wurde die Medizinische Hochschule Fukushima mit einer Studie beauftragt; sie soll in zwei Jahren fertig sein. Obgleich die Schilddrüsenreihenuntersuchungen die einzigen systematischen Untersuchungen zur Gesundheit sind, liefern sie noch nicht einmal richtige Ergebnisse. Gegenwärtig gibt es eine Bewegung, den Umfang der Schilddrüsenreihenuntersuchung zu verringern, die mit Begriffen wie „Überdiagnostik“, „Reihenuntersuchungen in Schulen verletzen Menschenrechte“, „Recht auf Nichtwissen“ operiert. Die  Präfektur Fukushima, die zur Zeit des Unfalls die Verteilung von stabilem Jod verhindert hat, sollte aber zu ihrer Verantwortung stehen und die Schilddrüsenreihenunter-suchungen fortführen.

Als vor zwei Jahren berichtet wurde, Oberschüler aus der Stadt Fukushima hätten das AKW während der Aufräumarbeiten besichtigt, waren wir entsetzt. Jetzt hat auch die Universität Fukushima solche Besichtigungen in ihr Lehrprogramm aufgenommen. In kleinen Städten, deren Evakuierungs-anordnung gerade aufgehoben wurde, fanden auch für Schüler von Fachoberschulen aus ganz Japan Wettbewerbe zum Bau von Robotern für die AKW-Aufräumarbeiten und ähnliches statt. In der Stadt, wo ich wohne, wurde das Bildungszentrum Radioaktivität „Comyutan Fukushima“, eine Einrichtung des Zentrums für Umweltmodellierung der Präfektur Fukushima, aufgebaut. Dort gibt es eine Ausstellung, in der man mittels Videos und Computerspielen etwas über Radioaktivität lernen soll. Seit der Eröffnung haben es etwa 100 000 Menschen innerhalb eines Jahres besucht. Schaut man sich an, was Kinder in das Besucherbuch geschrieben haben, findet man: „Gut, dass Radioaktivität nicht bloß gefährlich, sondern für Medizin und Naturwissenschaft wichtig ist,“ oder: „Ich habe gedacht, dass man vor Radioaktivität Angst haben muss, aber jetzt weiß ich, dass sie auch in der Natur und in Lebensmitteln vorkommt, und bin beruhigt,“ oder: „Wenn alle sich hier informieren könnten, würde auch die Diskriminierung von Fukushima verschwinden,“ und vieles andere dieser Art. Von einer Bildung, die auf die Gefahren durch gegenwärtig vorhandene radioaktive Substanzen eingeht, und zeigt, wie man sich davor schützen kann, ist das noch ziemlich weit entfernt, finde ich.

In dieser Situation gibt es noch viele Prozesse – um Entschädigung, um die Korrektur von Verwaltungsentscheidungen, um strafrechtliche Verantwortung. Ein Zivilgericht hat in einem Urteil anerkannt, dass die Betreiberfirma Tepco und die japanische Regierung Tsunami-Schutzmaßnahmen vernachlässigt haben. In diesem Jahr sind noch weitere Urteile zu erwarten.

Im Juni letzten Jahres hat eine Klägergruppe von 14 000 Personen aus Fukushima und aus ganz Japan bei der Staatsanwaltschaft Fukushima Strafanzeige gestellt. Der daraus folgende Strafprozess wird nun endlich gegen drei ehemalige Vorstandsmitglieder von Tepco geführt, die alle auf „nicht schuldig“ plädierten. Die Staatsanwälte wiesen mit zahlreichen Beweismitteln nach, dass Tepco bei der Tsunamivorsorge untätig war. Damit hat ein geschichtlich bedeutender Kampf begonnen. Bitte verfolgen Sie den Prozess. Es findet auch eine an den Gerichtspräsidenten gerichtete „Unterschriften-sammlung für ein strenges Urteil“ statt. Auf der Homepage der Unterstützergruppe gibt es auch ein Unterschriftsformular in englischer Sprache (https://kokuso-fukusimagenpatu.blogspot.de/p/please-sign-petition.html). Bitte unterstützen auch Sie die Sammlung.

In diesem Winter war es auch in Fukushima sehr kalt. Aber unter der gefrorenen Erde liegen die Samen, die im Frühjahr sprießen werden. Mögen auch wir im Jetzt aufrecht leben und nicht vergessen, von einer anderen Zeit zu träumen. Wie die Meere die Welt verbinden, so wollen auch wir verbunden bleiben.

zum 11. März 2018 in Fukushima, Muto Ruiko


(aus dem Japanischen: Annette Hack)

Bericht zur Kazaguruma-Demo am 11.3.2017 in Berlin

Letztes Jahr zum 5. Jahrestag von Fukushima und zum 30. Jahrestag von Tschernobyl haben wir eine Reihe von verschiedenen Veranstaltungen unter dem Titel „Protestival“ organisiert, womit wir durchaus zufrieden waren, aber der Aufwand war entsprechend groß, sodass ich nach dem Ende aller Veranstaltungstermine krank geworden war.  Daraus musste man die Lehre ziehen, dass man als so eine kleine Gruppe nicht so oft größere Veranstaltungen auf einmal planen kann.

Deshalb wollten wir dieses Jahr zum 6. Jahrestag von Fukushima „nur“ eine Demonstration organisieren, dafür aber eine feine, gut durchdachte, harmonische und mit einem guten Programm.

Immerhin haben wir seit 2013 jedes Jahr zu diesem Jahrestag eine Demo organisiert und haben bereits eine Reihe von positiven Erfahrungen gesammelt, aus den Fehlern gelernt und gute Beziehungen mit einigen Kooperationspartnern aufgebaut.  Seit vier Jahren ist es sogar „Tradition“, mit unserem Symbol für eine nuklearfreie Zukunft, Windrädern – Kazaguruma –, durch die Innenstadt von Berlin zu ziehen.  Außerdem fällt der 11.3. dieses Jahr auf einen Samstag.  Da müssen wir unbedingt an dem Tag demonstrieren, so waren wir uns gleich einig.

Als erstes fingen wir damit an, mit unseren Partnern – Natur Freunde und Anti Atom Berlin – darüber zu besprechen.  Sie waren wieder dabei, wir können uns inzwischen sehr gut verständigen  und kommunizieren.  Ich habe gleichzeitig Herrn Christoph Rasch von Greenpeace Energy – einem unserer wichtigsten Sponsoren von „Protestival“ letztes Jahr – kontaktiert, und er meldete sich gleich bei mir zurück, dass sie auch dieses Jahr gern mit dabei seien.  So haben wir gemeinsam einen Text ausgearbeitet, den wir als Appel für die Demo im Flyer drucken wollten.

Gestaltung des Plakates/Flyers

Im Herbst letzten Jahres haben einige Mitglieder von SNB mit einem „Stammtisch“ für Japaner/Japanisch-sprechende einmal im Monat angefangen, und dort haben sie den jungen Künstler Daichi Matsusaki kennengelernt, der sich uns gleich angeschlossen hat.  Da wir alle von seinen farbenfrohen und dynamischen Bildern begeistert waren, haben wir ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, für die nächste Demo ein Bild für das Plakat zu malen.  So entstand das schöne Bild, das bei allen gut angekommen ist mit einem Motiv, das an unser Symbol Windrad erinnert.

Aya.Berlin hat dann dieses Bild zum Plakat und zum Flyer bearbeitet.  Dieses Jahr habe ich an einigen Stellen in Kreuzberg das Plakat auf der Straße entdeckt und mich sehr gefreut, nicht nur weil für unsere Demo gut geworben wurde, sondern weil das Plakat eine Augenweide war.  Unser Dank gilt Daichi und Aya.Berlin! Wir sind auch stolz, dass so viele Mitunterzeichner zusammengekommen sind.

Kazaguruma-Bastel-Workshop

Kazaguruma-Bastel-Workshop am 25.02.2017

Dann haben wir natürlich einen traditionellen „Windräder-Bastel-Workshop“ organisiert.  Dieses Jahr haben wir durch Jan von der TU tolle Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, und dort haben wir fleißig über 400 Windräder gebastelt (näheres siehe Bericht unter http://snbblog.sundayresearch.eu/?p=3567).  Durch unser Mitglied Ememe haben wir dieses Jahr Kontakt mit W. aufgenommen, der einen großen Bus besitzt  und bereit war, uns bei dem Transport der Windräder behilflich zu sein.  Er hat tatkräftig und sehr freundlich geholfen, alle gebastelten Windräder in meinem Keller zu verstauen und sie wieder am Tag der Demo zum Treffpunkt zu bringen.  Bis letztes Jahr hatten wir diese nicht einfache Arbeit (weil die Windräder so unhandlich sind) Minami überlassen, obwohl sie nur einen PKW mit einer größeren Ladefläche hatte.  Es ist uns aber dieses Jahr erneut bewusst geworden, dass es unumgänglich ist, um diese Menge Windräder gut zu transportieren, so einen großen Transporter zu haben.  Also sollten wir in der Zukunft immer so einen Bus/Transporter für den Transport der Windräder organisieren, mit einem normalen PKW sollte man es gar nicht mehr versuchen.

Programm – Redner und Performance

Wir wollten wieder ein gutes und bunt gemischtes Programm haben und haben überlegt, welche Themen unbedingt dieses Jahr auf der Demo besprochen werden sollten.  Fest stand vom Anfang an aber, dass Bodypoet Kazuma wieder eine Tanzperformance anbieten sollte, das ist bereits das „Markenzeichen“ unserer Demo und darf nicht fehlen.  Dieses Jahr gab es aber noch eine zusätzliche Kunstperformance von Daichi.  Er sollte kurz vor dem Start der Kundgebung am Gendarmenmarkt innerhalb von 30 Minuten ein Bild fertig malen und dadurch die Aufmerksamkeit des Publikums auf das Geschehnis auf dem Platz ziehen.

Ruiko Muto

Außerdem wollten wir ursprünglich am Brandenburger Tor, dem Ziel des Demozuges, einen Infostand aufbauen, an dem wir eventuell die Fotos von den Fotographen Hirokawa  und Higuchi mit den Captions zeigen und ein paar Informationen über die aktuelle Lage in Fukushima u.a. geben könnten, aber wir haben auf die Idee schlussendlich verzichtet, da wir feststellen mussten, dass wir dafür nicht genügend Kapazitäten haben.  Dafür haben wir die Botschaft von Frau Ruiko Muto (Sprecherin der Klägergruppe gegen Tepco) übersetzt (mithilfe von Annette Hack), die wir dann auf der Demo vorlesen und in gedruckter Form verteilen wollten.  Ich denke, es war eine gute Entscheidung, denn es ist eine authentische Stimme aus Fukushima und niemand hätte über die aktuelle Lage nach sechs Jahren so gut berichten können wie sie.

Hier die Botschaft von Ruiko Muto in deutscher Übersetzung: Kazaguruma-demo2017 Brief von Ruiko Muto de

 

Elisabeth Hafner-Reckers ©Tsukasa Yajima

2017 ist ein wichtiges Jahr für die deutsche Antiatombewegung, da der Widerstand von Gorleben heuer genau 40 Jahre alt wird.  Deswegen wollte ich unbedingt jemanden von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg gewinnen.  Da ich letztes Jahr eine gute Verbindung zu dieser Gruppe aufgebaut habe, teilte ich ihnen einfach direkt mit, dass jemand von ihrer Gruppe in  Berlin auf der Demo über den Kampf in Gorleben seit 40 Jahren sowie im Hinblick auf die bevorstehende Verabschiedung des Endlagergesetzes ihre Botschaft geben soll.  So hat sich Elisabeth Hafner-Reckers, stellvertretende Vorsitzende der BI Lüchow-Dannenberg, bereit erklärt, am 11.3. extra aus dem Wendland nach Berlin zu kommen.  Ich habe sie letztes Jahr im Wendland kennengelernt und sogar bei ihr übernachtet –  sie hat ein sehr gemütliches Gasthaus , sie ist eine sehr bodenständige und sympathische Yoga-Lehrerin, die unweit des Endlager-Erkundungsbergwerkes Gorleben seit 1990  jeden Sonntag mit der dortigen Kirchengemeinde einen Gottesdienst im Freien (auch im Winter) hält.  Diese Andacht gehört schon längst zum festen Repertoire des Widerstandes im Wendland, und Elisabeth ist vom Anfang an dabei.  Sie war am Tag der Demo aus dem Wendland mit dem Zug angereist, hat die Demo mitgemacht, eine wunderbare, starke Rede gehalten, und ist anschließend wieder abgereist, da sie noch den Yoga-Kurs zu leiten hatte. Ihre Worte waren so erfrischend, stark – da authentisch – und inspirierend wie viele kreative Protestaktionen im Wendland.  Vielen Dank, Elisabeth!

Hier ist ihre Rede zu lesen:Kazaguruma-demo2017 Rede von Elisabeth Hafner de

 

Thomas Dersee ©Tsukasa Yajima

Ein anderes Anliegen war das Thema um die Gefahren radioaktiver Niedrigstrahlung und den Umgang mit dem niedrigradioaktiven Atommüll.  Da wusste ich gleich, wer am besten darüber sprechen kann: unser Freund Thomas Dersee, Herausgeber von Strahlentelex.  Er hatte uns oft vom gefährlichen Umgang mit niedrigradioaktiv verseuchtem Metall in Deutschland erzählt, dass wir ohne zu wissen Bratpfannen oder Zahnspangen aus radioaktivem Metall angeboten bekämen, usw.  Es war uns wichtig, dass jemand über dieses Thema spricht, damit die Bürger sich bewusst machen, dass auch in Deutschland Gefahr lauert. Thomas hat dieses Thema sehr anschaulich behandelt:

Die Rede von Thomas Dersee:Kazaguruma-demo2017 Rede von Thomas Dersee de

 

Christoph Rasch ©Tsukasa Yajima

Greenpeace Energy kämpft weiter in Europa gegen eine „Renaissance der Atomenergie“, indem sie vor allem gegen die Subventionen für das AKW Hinkley Point C klagen.  Der Pressesprecher Christoph Rasch, der letztes Jahr unser Protestival tatkräftig unterstützt hat, hat dieses Jahr auf der Demo über die gefährliche Entwicklung der Atompolitik in Europa eine zusammenfassende Rede gehalten:

Hier die Rede von Christoph Rasch:Kazaguruma-demo2017 Rede von Christoph Rasch de

 

der Demozug      ©Tsukasa Yajima

Dieses Jahr haben wir eine kürzere Demoroute ausgesucht, weil wir unbedingt die etwas triste Leipziger Straße in der bisherigen Route zwischen dem Potsdamer Platz und dem Brandenburger Tor vermeiden wollten.  Bei der Überlegung wollten wir aber das Brandenburger Tor als Symbol und Mittelpunkt der Stadt Berlin als Ziel behalten.  Dann erwies es sich als nicht so leicht, eine gute Demoroute zu finden.  Schließlich haben wir uns auf die Route mit dem Gendarmenmarkt als Treffpunkt und dem Brandenburger Tor als Ziel geeinigt.  Nach der Demo gab es zwar einige, die sagten, die Demoroute sei etwas zu kurz gewesen, aber ich persönlich fand sowohl den Treffpunkt Gendarmenmarkt als auch das Ziel Brandenburger Tor gut, da sie erstens beide Touristenattraktion sind und daher viele Menschen da sind, zweitens die Stadt Berlin mit ihrer Kultur und Geschichte dort gut repräsentiert ist.  Sicher hätte die Route etwas länger sein können, aber der Demozug ist zum Beispiel in der Französischen Straße auf eine sehr gute Resonanz gestoßen, viele Touristen und Passanten haben uns fotografiert, die Windräder bekommen und uns mit einem Lächeln zugeschaut, was will man mehr?

Bodypoet & Mad World Dance Project ©Tsukasa Yajima

Am Brandenburger Tor angekommen, war die Tanzfläche für Kazuma und seine Tanzgruppe „Mad World Dance Project“ von ein paar Mitgliedern von uns bereits vorbereitet, und relativ zügig konnte man zum Abschlussprogramm übergehen.  Kazuma und seine Tänzer haben dieses Jahr eine schlichte, aber kräftige Performance mit politisch- und gesellschaftskritischen Botschaften aufgeführt, wie etwa das „typisch japanische“ Phänomen, dass der einzelne Mensch in der Masse und in der Mehrheit verschwindet.

Bild von Daichi Matsusaki(links), Trommler Fumihiro Ono(rechts) ©Tsukasa Yajima
ⒸTsukasa Yajima

Unsere Kazaguruma-Demo 2017 ist auf diese Weise zügig und harmonisch über die Bühne gegangen, starke Redner, aussagekräftige Transparente und viele gelbe Windräder, zwei Performances am Anfang und am Ende.  Übrigens wäre das Bild, das Daichi vor der Kundgebung auf dem Gendarmenmarkt gemalt hat, gegen Spende abzugeben. Wer daran Interesse hat, kann uns gerne kontaktieren: sayonara-nukes-berlin[at]posteo.net

 

Symbol für eine Zukunft ohne Atomkraft ©Tsukasa Yajima

Wir -Sayonara Nukes Berlin -bedanken uns bei allen, die uns bei der Demo unterstützt haben, mit uns gelaufen sind und mit uns waren.  Wir werden weiterhin einen langen Atem haben, kreativ und hartnäckig bleiben bei unserer Forderung nach dem weltweiten Atomausstieg und jedes Jahr mit den Windrädern durch Berlin ziehen mit dem Motto: Fukushima mahnt! Gemeinsam für eine Zukunft ohne Atomanlagen!


Nachrichten:

„Für Zukunft ohne Atomanlagen!“ – Sechs Jahre Fukushima: Demo gegen Atomkraft in Berlin | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

Abendschau/ rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

Demonstration gegen Atomkraft in Berlin | evangelisch.de


Foto:

Tsukasa Yajima


Video:

Nobel & Frei

Mahnwache Kanzleramt


 

Kazaguruma-Demonstration zum 6. Jahrestag von FUKUSHIMA

Sa 11. März 2017 ab 12:00 Uhr
Treffpunkt am Gendarmenmarkt, Berlin

– ab 11:30 Uhr am Gendarmenmarkt Live-Malerei von Daichi Matsusaki mit Perkussion von Fumihiro Ono
– Abschuluss am Brandenburger Tor: Performance von Bodypoet Kazuma Glen Motomura

Für eine Zukunft ohne Atomanlagen!

Sechs Fukushima Jahre Dai-ichi nach der versucht Atomkatastrophe die Atomlobby im Atomkraftwerk die Atomenergie weltweit zu sichern und auszubauen. In ganz Europa sind über 60 Atomkraftwerke schon länger als 30 Jahre in Betrieb, einige sogar schon über 40 Jahre. Um diese Schrottreaktoren weiterbetreiben zu können, wurden die Laufzeiten in vielen Staaten auf bis zu 60 Jahre verlängert. Jederzeit kann sich überall eine Katastrophe wie in Tschernobyl oder Fukushima ereignen. Solange Atomanlagen in Betrieb bleiben, wächst auch die Last der nuklearen Hinterlassenschaften.

Die Folgen der Atomkatastrophe sind für Mensch und Umwelt eine Tragödie. Zehntausende haben ihre Heimat verloren. Obwohl das Gesundheitsrisiko groß ist, will die japanische Regierung nach Dekontaminationstricksereien die Bewohnerinnen und Bewohner wieder in Gebiete mit hoher Umgebungsradioaktivität zurückschicken und sich vor Entschädigungszahlungen drücken. Gleichzeitig steigt die Zahl der Schilddrüsenkrebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen immer mehr an.

Auch in Deutschland wurde kein endgültiger Atomausstieg beschlossen. Bis 2023 werden Atomkraftwerke in Betrieb bleiben, die Atomanlagen in Lingen und Gronau sowie die Forschungsreaktoren sollen weiterbestehen. Für den ständig zunehmenden Atommüll wurde bisher keinerlei Lösung gefunden.

Gemeinsam fordern wir:

◆ Stop aller Maßnahmen, mit denen die japanische Regierung Strahlenflüchtlinge zur Rückkehr in verstrahlte Gebiete nötigt. Weiterzahlung von Entschädigungen und Unterstützungsgeldern.
◆ die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit
◆ die Aufhebung des EURATOM-Vertrags
◆ die Festschreibung eines Verbots der Nutzung von ziviler und militärischer Atomtechnik im Grundgesetz

Demo-Route

3月11日に思う。

11. März.

Meine Gedanke und Gebete sind bei den Menschen in Japan, die durch das Erdbeben, den Tsunami und die AKW Katastrophe betroffen sind.

Dieses Jahr ist der fünfte Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima und der 30. Jahrestag der Katastrophe in Tschernobyl. Die schrecklichen Bilder der Explosion im Atomkraftwerk Dai-ichi in Fukushima sind unvergessen. Billionen an Becquerels an Strahlung gelangten ins Wasser und in den Pazifik. Die japanische Regierung ist überfordert angesichts der Mengen an Atommüll, welcher im Osten Japans lagert.

Da ihre Häuser wegen der Strahlung unbewohnbar sind, leben ungefähr 80.000 Menschen von Fukushima immer noch in Übergangswohnungen. Tschernobyl hat gezeigt, dass auch niedrige Strahlenbelastung über lange Zeit gesundheitsschädigend sein kann. In Deutschland sind acht AKWs in Betrieb und die Unfälle in alternden Atomreaktoren in Belgien werden in den Nachbarländern mit Sorge verfolgt. Auch nach Fukushima ist Europa wieder Gefahren ausgesetzt.

Obwohl verantwortlich für den Unfall, wurde TEPCO nicht offiziell angeklagt. Ohne wirklich von der Katastrophe in Fukushima gelernt zu haben, will die japanische Regierung wieder AKWs in Betrieb nehmen und hat vor kurzem vier Reaktoren gestartet. Nach der Aufhebung des Evakuierungsbefehls in 2017 werden wohl viele der Menschen, die aus Fukushima evakuiert wurden, sich gezwungen fühlen, nach Hause zurück zu gehen. Das bedeutet auch, dass die Regierung dann an sie keine Entschädigungen mehr zahlen muss. Anstatt die betroffenen Menschen weiterhin zu unterstützen, wird Japan 1.8 Billionen Yen (15 Milliarden Euro) für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo ausgeben. Ausserdem verkauft Japan Atomtechnologie an Indien, die Türkei und Japan. Die großen Hersteller von Atomkraftwerken sind darauf aus, im Ausland Profit zu machen, zusammen mit europäischen Firmen.

Eine Stimme aus Fukushima (Interview vom Februar 2016)

Ich bin von meinem Zuhause geflohen und lebe nun 80 km vom AKW entfernt. Wir befinden uns in einem echten Dilemma, da wir schon bald aus unserer Übergangswohnung ausziehen müssen. Politische Entscheidungen zwingen uns dazu, nach Hause zurückzukehren. Ich bin jedoch sehr besorgt wegen der Strahlung und frage mich, ob wir genügend Geld zum Leben verdienen können.

Es macht mich wütend, wenn ich höre, wie Politiker über unsere Heimkehr diskutieren. Ich finde, sie nehmen die Strahlung nicht ernst genug. Die Wohngebiete wurden dekontaminiert und die Regierung hat den Evakuierungsbefehl aufgehoben, da die Strahlenbelastung jetzt weniger sei. Aber wer will denn an einem Ort leben, der voll von Säcken mit radioaktivem Müll ist?

Als Tokio für Olympia 2020 ausgewählt wurde, war Japan voller Begeisterung, ich aber empfand es als ungerecht. Das Leid und der Schmerz der Menschen, die so viel ertragen mussten, wurde komplett ignoriert und die Sendungen im Fernsehen taten so, also ob der Atomunfall gar nicht passiert sei. Ich versuche, nicht an die Olympischen Spiele zu denken und ich schaue auch keine Nachrichten, weil ich glaube, dass sie manipuliert sind.

Wir vergessen so leicht das, was wir nicht sehen. Die unsichtbare Strahlung bedroht unseren Planeten und unser Leben. Den kommenden Generationen ein Erbe von Atommüll zu hinterlassen ist ethisch nicht mehr vertretbar. Atomenergie und Menschen sind nicht kompatibel, das haben Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Eine Energiewende alleine in Deutschland ist nicht genug, um globale Probleme zu lösen. So lange nicht alle AKWs stillgelegt und der Abbau von Uran beendet ist, werden wir Gefahren ausgesetzt sein. Wenn Du der Meinung bist, dass Atomkraft unnötig ist, sag es! Wir sind alle Teil von politischen Entscheidungen. Vielleicht glaubst Du, dass deine Stimme alleine nicht beachtet wird – aber zusammen können wir viel erreichen.

Wir veranstalten eine Demonstration am 19.03. mit dem Motto „Fukushima und Tchernobyl mahnen Atomausstieg Weltweit!“

plakate_2016_pfad Auf eure Teilnahme freuen wir uns!

Mehr Informationen: 100 Gute Gründe gegen Atomkraft

http://100-gute-gruende.de/index.xhtml

 

(Deutsch-Übersetzung :  Matthias Krammel)

Protestival 2016 Nuclear, Democracy and Beyond

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Zwischen dem 5. Jahrestag von Fukushima (11.03.2016) und dem 30. Jahrestag von Tschernobyl (26.04.2016) organisieren wir unter dem Titel „Protestival“ eine Reihe von Veranstaltungen zum Themenkomplex „Atomenergie und Demokratie„.

Die beiden Super-GAUs sind noch lange keine Vergangenheit! Sie können sich jederzeit und überall wiederholen.

Wir nehmen die beiden Jahrestage zum Anlass, um uns erneut an die Gefahren der Atomenergie, an das Ausmaß und die andauernden Folgen von beiden Super-GAUs sowie die weltweit um die Kerntechnologie praktizierte Diskriminierung und Verletzung der Menschenrechte zu erinnern.

Diverse Events anläßlich der beiden Jahrestage von Fukushima und Tschernobyl (Kunst, Musik, Performance & Diskussion, Filmvorführungen, Fotoausstellung, Demonstration, etc.)

Mehr info ->>    www.protestival.de

SNB2016-fin